Berliner Philharmoniker
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Autor*in: Nicole Restle

Eine zweite Heimat in Japan: die Suntory Hall, Tokio

Eine zweite Heimat der Berliner Philharmoniker in Japan

Die Berliner Philharmoniker und Kirill Petrenko bei ihrem ersten gemeinsamen Konzert in der Suntory Hall auf der diesjährigen Asientournee.

Sie ist die jüngere Schwester der Berliner Philharmonie: die Suntory Hall in Tokio. Wie in Berlin steht auch hier die Musik buchstäblich im Mittelpunkt – weil sich die 2006 Publikumsplätze wie ansteigende Weinbergterrassen um das Podium gruppieren. Dank dieser Architektur fällt, so die Website der Suntory Hall, der »Klang wie Sonnenstrahlen auf alle Plätze«. Auch deshalb wurde der Konzertsaal für die Berliner Philharmoniker zu einer zweiten Heimat in Japan.

Von Berlin inspiriert

Die Ähnlichkeit der beiden Konzertsäle kommt nicht von ungefähr. Ihre architektonische Gestalt verdankt der Saal der Suntory Hall dem regen kulturellen Austausch zwischen den Berliner Philharmonikern und Japan: Herbert von Karajan, damaliger Chefdirigent des Orchesters, regte an, die arenaförmige Saalform, die sich in Berlin bewährt hatte, auch in Tokio zu realisieren. Seine Argumente überzeugten den Bauherr Keizo Saji, der ursprünglich die konventionellere Schuhkarton-Form wie im Wiener Musikverein favorisierte. Am Ende des Gesprächs meinte er nur leise: »Dann lass es uns so machen«. Diese schnelle Entschlusskraft beeindruckte Karajan sehr.

Herbert von Karajan und Keizo Saji (© Archiv Berliner Philharmoniker)

Weltberühmte Akustik 

Die Akustik, die wegen ihres warmen, weichen Klangs als vorbildlich gilt, stammt von Nagata Acoustics; zum Design-Team gehörte damals auch der junge Yasuhisa Toyota, der mittlerweile eine Reihe berühmter Konzerthäuser betreut hat: von der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles über die Elbphilharmonie bis hin zum Pierre Boulez Saal in Berlin. 

Die Suntory Hall, heute einer der berühmtesten Konzertsäle der Welt, gehört dem japanischen Getränkekonzern Suntory, der als Hersteller von Whisky internationales Renommee besitzt. Im Gegensatz zu vielen deutschen Kulturstätten ist sie ein privat geführtes Haus.

Das absolut Neue bei der Eröffnung 1986 war nicht nur die ungewöhnliche Architektur des Saals, die man so in Japan noch nicht kannte, sondern die Spezialisierung auf Aufführungen klassischer Musik. Das gab es vorher in Tokio nicht. Noch heute erinnert Vieles an die Zusammenarbeit mit Herbert von Karajan: So trägt der Vorplatz des Hauses den Namen des Dirigenten und im Foyer hängt eine Tafel mit Karajans Grußworten zur Eröffnung.

© Monika Rittershaus

Eine besondere Verbindung 

Seit 1986 ist es für die Berliner Philharmoniker eine Selbstverständlichkeit bei jeder ihrer Japan-Tourneen in der Suntory Hall aufzutreten. Das Orchester erlebte dort zahlreiche musikalische Höhepunkte. Nur an einige wenige sei an dieser Stelle erinnert: das erste Konzert 1986 unter der Leitung von Seiji Ozawa, der für den erkrankten Karajan einsprang, Karajans einziger Auftritt mit den Philharmonikern in diesem Saal 1988 sowie der Brahms-Zyklus unter Claudio Abbado 1992 oder der gefeierte Beethoven-Zyklus mit Sir Simon Rattle im Mai 2016. Mit der aktuellen Tournee kommt sicher ein weiterer Höhepunkt hinzu.