Berliner Philharmoniker
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Autor*in: Luisa Aha

Zwischen Notenbergen, Stanzmaschinen und Klavierauszügen

Übersicht

Bevor die Berliner Philharmoniker überhaupt einen Ton auf der Bühne spielen (können), brauchen sie natürlich eins: Noten. Tief im Herzen der Philharmonie sorgen dafür zwei Kolleg*innen in unserer orchestereigenen Notenbibliothek. Sie bestellen, pflegen und archivieren jede Saison Unmengen von Partituren, Notenheften und Klavierauszügen und stellen sicher, dass auch auf Tour alle Pulte korrekt belegt sind.

In unserer Notenbibliothek wird bereits seit Wochen unermüdlich und mit spitzem Bleistift durch die Noten von Richard Strauss’ Elektra gepflügt – Inger Garcia de Presno und Sebastian Schüßler übertragen feinsäuberlich die Anmerkungen von Chefdirigent Kirill Petrenko in die Noten fürs Orchester. Auch die Auf- und Abstriche für die Streichinstrumente – also die Bewegungen des Bogens über den Saiten – werden dort mit Symbolen gekennzeichnet. Dadurch wird übrigens nicht nur gewährleistet, dass die Bogenbewegungen so wunderschön synchron aussehen, das Ganze hat auch Auswirkungen auf die Lautstärke, Klangfarbe und Artikulation.

Bei der Übertragung der Anmerkungen wird nicht nur äußerst genau gearbeitet, ... (© Luisa Aha)
... sondern auch mit äußerst schönen Werkzeugen! (© Luisa Aha)

Wenn die Noten soweit vorbereitet sind, gilt es die insgesamt 500 Notenhefte, Klavierauszüge, Partituren zusammenzustellen, die für die Oper und die verschiedenen Symphonie- und Kammermusikkonzerte während der Osterfestspiele gebraucht werden. Darin sind die Exemplare enthalten, aus denen musiziert wird, sowie Ersatz- und Übe-Stimmen und Ersatzpartituren – falls doch einmal etwas verloren gehen sollte. Häufig werden im Laufe der Osterfestspiele auch zusätzliche Partituren oder Klavierauszüge von dem Produktionsteam oder einzelnen Musiker*innen benötigt. Die Noten und Orchestermappen füllen eine der Kisten, die zusammen mit 179 anderen mit dem LKW nach Baden-Baden reisen.

In einer zweiten Kiste landen die Arbeitsmaterialien: Viel Papier in Sonderformaten, aus dem bühnenfähige Noten hergestellt werden können, eine Schneidemaschine, Stanzmaschine, Klebeband, alles für Spiralbindung, Scheren, Bleistifte etc. Das wahrscheinlich wertvollste ist dabei ein USB-Stick, auf dem alles auf dem aktuellen Stand digital vorliegt, falls der Zugriff auf die heimischen Server in der Philharmonie nicht funktioniert oder etwas anderes Unvorhersehbares eintritt.

Wenn alle Noten, Arbeitsmaterialien und der USB-Stick im Festspielhaus in Baden-Baden angekommen sind, sind die Kolleg*innen abwechselnd vor Ort. Denn dort gilt es nach den Proben noch Anmerkungen mit Kirill Petrenko abzustimmen, Noten zu kopieren, zu sortieren und neu zu binden … und am Ende, die Noten im bestmöglichen Zustand wieder an die Verlage zurückzuschicken – hätten Sie gewusst, dass die meisten nur geliehen sind?